Nagrade Sajma knjiga u Leipzigu Miljenku Jergoviću i Marie-Janine Calic
Prestižna nagrada Sajma knjiga u Leipzigu 2026. za europsko razumijevanje dodijeljena je književniku Miljenku Jergoviću. U kategoriji stručne knjige nagradu je dobila povjesničarka Marie-Janine Calic za knjigu „Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“, o kojoj smo već obavijestili na portalu Historiografija.hr.
Leipzig Book Award for European Understanding
The Leipzig Book Award for European Understanding is one of the most prestigious literature prizes in Germany. It has been awarded annually since 1994 and comes with prize money of 20,000 euros. The prize committee includes the Free State of Saxony, the City of Leipzig, the Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. (The German Publishers and Booksellers Association) and Leipziger Messe. Cooperation partner is the Federal Agency for Civid Education.
The prize will be awarded at the opening ceremony of Leipzig Book Fair on the evening of 18 March 2026 at the Gewandhaus Leipzig. The event starts at 7pm and will be streamed live on our homepage.
The Leipzig Book Award for European Understanding 2026 is awarded to Miljenko Jergović
The 2026 Leipzig Book Award for European Understanding goes to the Croatian-Bosnian author Miljenko Jergović for his short stories Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered [The Crazy Heart. Sarajevo Marlboro Remastered]. The book is published by Suhrkamp Verlag. The text was translated from Croatian by Brigitte Döbert.
The laudatory speech will be given by Serbian-Austrian writer Barbi Marković.
Statement from the jury:
The Jury’s verdict reads: “The 2026 Leipzig Book Award for European Understanding goes to Croatian-Bosnian writer Miljenko Jergović, whose narrative work shows great determination in exploring the fault lines of Western Balkan history. War experiences are at the heart of everything, from sweeping family panoramas to offbeat road movies and a thoughtful portrait of his father.”
The Jury continues: “The Siege of Sarajevo, where the author was born in 1966, is the focus of his latest collection of short stories, Das verrückte Herz (The Crazy Heart), which is also a self-commentary on his early collection Marlboro Sarajevo. An agitating neighbour defects to the besiegers, a young man can no longer wear his lucky underpants, the whistling of grenades awakens memories of flagpoles by the sea, two Art Nouveau vases survive bomb blasts and yet are broken later on. Sometimes drastic, occasionally relentless and then poetic, the writer focuses on the injuries meted out on individuals and the devastation of society. With his attention to inconspicuous details and fragments, he aesthetically defies gross simplifications and the dangers of nationalism.”
Critical and fair: the jury
- Dr Skadi Jennicke (Mayor for Culture of the City of Leipzig, Jury chair)
- Dr Maike Albath (literary critic and author)
- Dr Katja Gasser (Head of the Literature Department at ORF-TV and literary critic)
- Michael Lemling (manager of the book shop Lehmkuhl)
- Dr Lothar Müller (literary critic and journalist)
Iz medija:
Die Preisträger:innen des Preises der Leipziger Buchmesse 2026
SACHBUCH / ESSAYISTIK
Marie-Janine Calic: „Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ (C.H. Beck)
Über das Buch
Die Flucht vor dem NS-Regime war ein Wettlauf gegen Bürokratie, Grenzen und Gewalt. Zwischen 1933 und 1941 flohen Menschen zunächst in angrenzende Nachbarländer wie die Tschechoslowakei, nach Frankreich oder in die Niederlande, später auch nach Skandinavien. Andere suchten überseeische Zuflucht in Lateinamerika, in Palästina oder in den USA. Bekannt sind die Ost- und Südrouten ebenso wie die lebensgefährlichen Etappen über die Alpen oder die Pyrenäen. Weniger bekannt ist die Flucht auf den Balkan. Der Theaterstar Tilla Durieux, die Schriftsteller Manès Sperber und Ernst Toller, der Dramatiker Franz Theodor Csokor, der Maler Richard Ziegler und viele andere – sie alle flohen vor Hitler nach Südosteuropa und fanden dort Unterschlupf. Marie-Janine Calic ruft sie in Erinnerung und erzählt berührende und oft auch tragische Geschichten von Mut und Menschlichkeit, von Elend und Verrat, von Rettung und Untergang.
Begründung der Jury
Südosteuropa ist bislang in der Exilforschung kaum beachtet – Marie-Janine Calic schließt eine Lücke mit diesem eindrucksvollen Werk. In ihrer enormen und akribischen Recherche erzählt sie die wechselvolle Geschichte der Balkanroute anhand vieler Einzelschicksale, erschließt politisch-historische Zusammenhänge und zeigt den Balkan als Region der Hoffnung und des Übergangs.
Über die Autorin
Marie-Janine Calic ist Professorin für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie war als Politische Beraterin u. a. am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag tätig. Unter ihren zahlreichen Publikationen sind u. a. die Monographien Südosteuropa. Weltgeschichte einer Region (C.H.Beck, 2016) und Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert (C.H.Beck, 2010).
Laudatio von Judith v. Sternburg
Längst sind nicht alle Geschichten des Exils zwischen 1933 und 1945 erzählt. Hat sich das südfranzösische Städtchen Sanary-sur-Mer als Fluchtort für die Familie Mann oder die Feuchtwangers als Gedächtnisort der Emigration eingeschrieben, so gilt es nun endlich auch das Fischerdorf Zaton Mali kennenzulernen. Wie Sanary malerisch gelegen, befindet es sich an einer Lagune in der Nähe von Dubrovnik. Eine kleine Berliner Exilgemeinschaft bildete sich hier, darunter der Schauspieler Ado von Achenbach, der Autor Herbert Schlüter und die Erzieherin Annemarie Wolff-Richter, die hier mit etlichen Kindern aus ihrem reformpädagogischen Kinderheim unterkam. Gerade in letzterem Fall kann man sich vorstellen, was für dramatische Fluchtgeschichten dahinterstehen. Hier werden sie erzählt.
Vielleicht kennen Sie diese Namen einer einstigen Berliner Prominenz noch nicht, aber Sie werden sie glücklicherweise kennenlernen in Marie-Janine Calics Buch „Balkan-Odyssee 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“. Die Historikerin, Professorin für südosteuropäische Geschichte in München, bringt uns mit ihrem so engagiert erzählten wie akribisch recherchierten Band auf die Fährte einer Balkanroute in aus heutiger Perspektive umgekehrter Richtung. Die, die sie nach der „Machtergreifung“ der Nazis nahmen, hatten zumeist wenig Vorstellungen davon, was sie erwartete „irgendwo da unten“, wie Calic schreibt. Vor allem aber hatten sie keine andere Wahl.
Als etwa die berühmte Schauspielerin Tilla Durieux, für Calic durch ihren Nachlass eine besonders wichtige Quelle, im Schweizer Exil von Ausweisung bedroht war, erwies sich Zagreb als einzige realistische Rettung. Länder wie Albanien zeigten sich jüdischen Neuankömmlingen gegenüber gelassen und offen, in osmanischer Tradition, wie Calic schreibt.
Mit dem Balkanüberfall der Deutschen 1941 jedoch wurden viele Fluchtorte im Südosten zur Falle. Detailliert schildert Calic die verzweifelte Fahrt der jüdischen Flüchtlinge auf dem sogenannten Kladovo-Transport. Auf mehreren Schiffen versuchten sie über Jahre die Donau entlang in Richtung Israel zu gelangen. Vergeblich. „Balkan-Odyssee“ erzählt neue Geschichten vom alten Schrecken, wie Menschen zermahlen werden. Dass es Calic gelingt, viele private Biografien zu rekonstruieren, ist dabei intensiver Archiv- und Recherchearbeit zu verdanken, die häufig praktisch bei Null begann.
„Balkan-Odyssee“ füllt nun einen weitgehend weißen Fleck auf der historischen Landkarte des Exils mit Leben, dies mit Interesse an Einzelheiten und Einzelschicksalen, aber auch mit guter Übersicht für die politische Weltlage. Man verfolgt mit, wie Menschen um ihre nackte Existenz kämpfen, während an anderen Orten in Sitzungssälen und Hinterzimmern über ihre Überlebenschance debattiert, verhandelt und mit einer Mischung aus Kalkül und Gleichmut entschieden wird. So ist „Balkan-Odyssee“ ohne Unterlass auch eine Erinnerung an Heute.
Herzlichen Glückwunsch an Marie-Janine Calic.
https://www.preis-der-leipziger-buchmesse.de/de/preistraegerinnen/index-2