{"id":41929,"date":"2024-08-20T11:34:29","date_gmt":"2024-08-20T11:34:29","guid":{"rendered":"http:\/\/historiografija.hr\/?p=41929"},"modified":"2024-08-20T11:34:29","modified_gmt":"2024-08-20T11:34:29","slug":"cfp-epistemische-kampfe-in-polarisierten-diskursen-dominanz-und-marginalisierung-von-wissenschaftlichem-wissen-in-der-offentlichkeit-oder-auf-der-suche-nach-dem-verlorenen-common-ground","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/historiografija.hr\/?p=41929","title":{"rendered":"CfP: Epistemische K\u00e4mpfe in polarisierten Diskursen. Dominanz und Marginalisierung von (wissenschaftlichem) Wissen in der \u00d6ffentlichkeit, oder: Auf der Suche nach dem verlorenen Common Ground?"},"content":{"rendered":"\n<p>Viele \u00f6ffentliche Debatten zeugen von einer vermeintlichen Spaltung der Gesellschaft. Solche polarisierten Diskurse sind epistemische K\u00e4mpfe, in denen Deutungsmacht \u00fcber Wissen ausgehandelt wird. Hierbei geht es \u201eum Einfluss, um Deutungshoheiten und davon abgeleitet vor allem auch um (finanzielle und personelle) Ressourcen\u201c (Wengeler 2006, 158). Dabei werden einige Positionen als die dominanten dargestellt, andere werden marginalisiert. Auf solche Marginalisierungsprozesse wirken schlie\u00dflich auch soziale und journalistische Medien ein, in denen (wissenschaftliches) Wissen verhandelt wird. Wie insbesondere w\u00e4hrend der Corona-Pandemie deutlich wurde, wird in diesen mediatisierten Diskursen oft zum Diskussionsgegenstand gemacht, was gute und was schlechte wissenschaftliche Positionen, Theorien und Methoden sind \u2013 und wer legitimiert sei, als Fachperson am Diskurs teilzuhaben. Beispiele stellen eskalierte Debatten um Impfen und Maskenpflicht, um die sogenannte Gendersprache, die Energiewende (z.B. der Streit um die W\u00e4rmepumpe) oder Migration dar.<\/p>\n\n\n\n<p>In polarisierten Diskursen l\u00e4sst sich beobachten, wie komplexe Themen auf Entweder-Oder-Fragen reduziert und durch \u00dcbertreibungen dichotomisch zugespitzt werden, eine provokative und emotionalisierte Sprache Aufmerksamkeit erzeugt und die Lagerbildung in eine degradierte Out-Group und eine identifikatorische In-Group bef\u00f6rdert (Fortuna 2019, 92-94). Einzelne Gruppierungen von Forschenden erscheinen als Denkkollektive (Fleck 1980 [1935]), als communities of practice (Wenger 1998), deren Grundannahmen einander diametral entgegenstehen (vgl. Kalwa 2018). Ein Common Ground mit den \u201eAnderen\u201c oder \u201eFeinden\u201c \u2013 im Sinne der Annahme, grundlegende Einstellungen, \u00dcberzeugungen oder Tatsachenbehauptung w\u00fcrden von den Diskurspartner:innen geteilt \u2013 besteht kaum noch oder wird zur\u00fcckgewiesen. Das erschwert die Verst\u00e4ndigung und kann Polarisierung intensivieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Polarisierte Diskurse sind daher eine Herausforderung f\u00fcr interne wie auch externe wissenschaftliche Kommunikationspraktiken (Kramer \/ Gottschling 2020), die derzeit durch die zunehmende Digitalisierung und den Einsatz von KI ohnehin einem schnellen Wandel unterliegen (vgl. Le\u00dfm\u00f6llmann 2020, 677).\u202f Denn widersprechende Annahmen, Theorien oder auch Ergebnisse k\u00f6nnen in polarisierten Kontexten genutzt werden, um das Vertrauen in Wissenschaft auszuh\u00f6hlen (Oreskes \/ Conway 2010). Wenn epistemische K\u00e4mpfe an Machtgef\u00e4lle zwischen (wahrgenommenen und tats\u00e4chlichen) dominanten und marginalisierten Gruppen gekoppelt sind, kann es au\u00dferdem zu epistemischen Ungerechtigkeiten (Fricker 2007) kommen. Zudem zeigen demokratische Gesellschaften eine Tendenz zur Moralisierung von Wissenschaft, die von Teilen der Gesellschaft vertreten, von Anderen aber vehement abgelehnt wird (Merkel 2021). Daran gekn\u00fcpft wird die Verhandlung dar\u00fcber, was als sagbar gilt und was nicht, und es kommt zu strategischen Inszenierungen von Polarisierung. Epistemische K\u00e4mpfe erscheinen dann immer wieder auch als Sprachk\u00e4mpfe (Lobin 2021). Somit wird \u201enicht nur mittels, sondern auch von Diskursen Macht ausge\u00fcbt\u201c (Niehr 2022).\u202f<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tagung widmet sich epistemischen K\u00e4mpfen in polarisierten Wissensdiskursen in der \u00d6ffentlichkeit, auch in ihrer Wirkung auf die interne Wissenschaftskommunikation. Sie will diverse disziplin\u00e4re Perspektiven zusammenbringen (etwa Sprach- und Kommunikationswissenschaft, Rhetorik und Psychologie, Soziologie und Geschichte) und sich auf kommunikative Ph\u00e4nomene und Sprachhandlungen fokussieren, gerne auch in Fallstudien. Ein Schwerpunkt sind K\u00e4mpfe um Sprache und Sprachverwendung, insbesondere die Debatte um Zweigeschlechtlichkeit und Gender in ihren Auswirkungen auf Sprachregelungen. Daneben k\u00f6nnen alle polarisierten Wissensdom\u00e4nen in den Blick kommen: Sprachpolitik (z.B. Rechtschreibung), Pandemie-Politik, Impfen, Klima und Nachhaltigkeit, Energiewende, Vegetarismus\/Veganismus, etc. \u2013 gerne auch jenseits der deutschen Diskurse. Wir m\u00f6chten Sie auch einladen, historische Fallstudien zu vergangenen wissens- und wissenschaftsgetriebenen \u00f6ffentlichen Polarisierungen beizutragen und dabei z.B. der Frage nachzugehen, ob und wie die \u201eScience Wars\u201c der 1990er Jahre bis heute fortwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgende Fragen k\u00f6nnen eine Rolle spielen:<br>&#8211; Untersuchungen zum Common Ground z.B. aus rhetorischer, linguistischer oder psychologischer Perspektive: Braucht Wissens- oder Wissenschaftskommunikation einen Common Ground? Inwiefern erschwert ein nicht vorhandener Common Ground epistemische K\u00e4mpfe? Oder drehen sich epistemische K\u00e4mpfe gerade um die Etablierung divergierender\/alternativer Common Grounds?\u202f Ist Common Ground (Clark 1996) eine notwendige Voraussetzung f\u00fcr Wissensdiskurse? Muss Common Ground immer vorausgesetzt werden oder wird Common Ground aufgerufen und hergestellt?\u202f Wie kann Wissen kommuniziert werden, wenn in polarisierten Debatten bzw. Arenen (Mau et. al. 2023, 37-69) kein Common Ground besteht, d. h. gemeinschaftliche Grundannahmen fehlen oder gar abgewertet und zur\u00fcckgewiesen werden?<br>&#8211; Inwiefern \u00e4u\u00dfern sich epistemische K\u00e4mpfe als Sprachk\u00e4mpfe (Lobin 2021)? Wie kann Konsens und Dissens methodisch erfasst werden? Wie lassen sich inszenierte Polarisierungen untersuchen? Wie erfolgt Konsensherstellung von vermeintlich dichotomen Positionen in polarisierten Diskursen? Inwiefern ist die vielge\u00e4u\u00dferte (und umstrittene) Diagnose einer \u201eSpaltung\u201c der Gesellschaft Teil des Kampfes um die Deutungshoheit?<br>&#8211; In welchem Zusammenhang stehen Kommunikationsmedien und Kommunikationspraktiken in polarisierten Diskursen? Wie wirken Kommunikationsmedien auf mediatisierte Polarisierungsprozesse ein? Welche Rolle spielt hier insbesondere der Journalismus?<br>&#8211; Inwiefern wird praktische Wissenschaftskommunikation in polarisierten Debatten erschwert? Welchen (sprachlichen) Techniken der Polarisierung wie bspw. Simplifizierung, \u00dcbertreibung, Provokation, Emotionalisierung und Degradierung (Fortuna 2019, 92-94) begegnet Wissenschaftskommunikation? Wie kann Wissenschaftskommunikation dennoch Geh\u00f6r finden, wenn es zu keinem sachlichen Austausch von Argumenten kommt, sondern zu einem pauschalen Abwerten von Positionen, zu pers\u00f6nlichen Angriffen gegen eine vermeintliche Out-Group und zu einer identifikatorischen Zuordnung zu einer In-Group? Wo st\u00f6\u00dft Wissenschaftskommunikation auf \u201eTriggerpunkte\u201c, also Bereiche des \u00f6ffentlichen Diskurses mit besonders gro\u00dfem Erregungspotential (vgl. Mau et. al. 2023, 27), und wie geht sie damit um?<br>&#8211; Wir leben nicht in der ersten polarisierten Diskursphase mit epistemischen K\u00e4mpfen (s. science wars, Jasanoff 2000): Wie unterscheiden sich heutige Polarisierungen von damaligen (z.B. Rolle der Digitalisierung, Ver\u00e4nderungen im gesellschaftlichen geteilten Wissen)? Gibt die historische Dimension Einordnungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die heutige Situation?<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6gliche Formate:<br>&#8211; Tagungsvortrag: 20 Minuten mit 10 Minuten Diskussion<br>&#8211; Panel von 90 Minuten: Moderation einer Podiumsdiskussion mit etwa drei Vortr\u00e4gen oder Impulsreferaten zu einem gemeinsamen Oberthema, Austausch mit dem Publikum z.B. als Fishbowl<br>&#8211; Poster: Projektvorstellung, empirische Ergebnisse, Case Studies, thesenhafte Impulse etc.<\/p>\n\n\n\n<p>Bitte reichen Sie Ihre Beitragsvorschl\u00e4ge in Form eines Extended Abstracts \u00fcber das Konferenztool EasyChair ein: <a href=\"https:\/\/easychair.org\/my\/conference?conf=kokokomtagung2025\">https:\/\/easychair.org\/my\/conference?conf=kokokomtagung2025<\/a><br>&#8211; Tagungsvortrag: max. 6.000 Zeichen (inklusive Bibliographie, exklusive Anhang wie Abbildungen und Tabellen)<br>&#8211; Paneleinreichungen: bitte mit Paneltitel, Beschreibung von Thema und Konzept: max. 4.000 Zeichen sowie Titel und kurzem Abstract f\u00fcr jeden Vortrag (je max. 1000 Zeichen).<br>&#8211; Poster: max. 4000 Zeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deadline f\u00fcr die Einreichung der Abstracts ist der 01.10.2024.<br>Mitteilung \u00fcber die Annahme: Mitte November 2024<\/p>\n\n\n\n<p>Karlsruhe, 2. bis 4. April 2025<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tagung wird ausgerichtet vom Projekt KoKoKoM (\u201eKonflikt und Konsens in der Wissenschaftskommunikation: \u00dcber Geschlecht und Gender streiten\u201c), ein Kooperationsprojekt zwischen dem Seminar f\u00fcr Allgemeine Rhetorik und dem Englischen Seminar der Universit\u00e4t T\u00fcbingen, dem Department f\u00fcr Wissenschaftskommunikation des KIT und dem Leibniz-Institut f\u00fcr Deutsche Sprache (<a href=\"https:\/\/kokokom.de\/\">https:\/\/kokokom.de\/<\/a>). Gef\u00f6rdert wird das Projekt vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung im Rahmen der F\u00f6rderlinie \u201eWissenschaftskommunikation erforschen\u201c. Das Projekt will Mechanismen identifizieren, die zur Herausbildung von gesellschaftlichen Konflikten rund um wissenschaftliche Forschungsergebnisse f\u00fchren und in der Folge Verfahren zur Erzeugung und St\u00e4rkung einer gesellschaftlichen Verst\u00e4ndigung entwickeln. Mit methodischen Ans\u00e4tzen aus der Rhetorik und Linguistik werden polarisierende Diskurse um das Thema Geschlecht und Gender in der Wissenschaftskommunikation empirisch untersucht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontakt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Andressa Costa (andressa.costa@kit.edu)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/kokokom.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/CfP-Epistemische-Kaempfe_KIT.pdf\">https:\/\/kokokom.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/CfP-Epistemische-Kaempfe_KIT.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Epistemische K\u00e4mpfe in polarisierten Diskursen<\/em>., In: H-Soz-Kult, 03.07.2024,<\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"http:\/\/www.hsozkult.de\/event\/id\/event-145147\">&lt;www.hsozkult.de\/event\/id\/event-145147><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":41930,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[3,9],"tags":[],"class_list":["post-41929","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-novosti","category-skupovi"],"acf":{"facebook_opis":""},"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/historiografija.hr\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/KoKoKom-Logo.jpeg?fit=2000%2C602&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41929","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41929"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41929\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41931,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41929\/revisions\/41931"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/41930"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41929"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41929"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41929"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}