{"id":21673,"date":"2020-06-25T14:31:24","date_gmt":"2020-06-25T14:31:24","guid":{"rendered":"http:\/\/historiografija.hr\/?p=21673"},"modified":"2020-06-25T14:31:24","modified_gmt":"2020-06-25T14:31:24","slug":"cfp-der-weg-zu-einer-post-imperialen-ordnung-der-ungarisch-osterreichische-grenzraum-nach-dem-ersten-weltkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/historiografija.hr\/?p=21673","title":{"rendered":"CfP: Der Weg zu einer post-imperialen Ordnung: der ungarisch-\u00f6sterreichische Grenzraum nach dem Ersten Weltkrieg"},"content":{"rendered":"\n<p>In Zusammenarbeit organisieren der Lehrstuhl f\u00fcr S\u00fcdosteurop\u00e4ische Geschichte der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin, der Lehrstuhl f\u00fcr Geschichte der ELTE SEK Budapest\/Szombathely und das Institut f\u00fcr Slawistik der Universit\u00e4t Wien (in Kooperation mit der Burgenl\u00e4ndischen Forschungsgesellschaft und dem Sopron M\u00fazeum) eine internationale Konferenz, die sich vom 22.-24. September 2021 mit der post-imperialen Ordnung im ungarisch-\u00f6sterreichischen Grenzraum in den ersten Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkriegs befassen wird. Mit diesem Call for Papers laden wir Kolleginnen und Kollegen herzlich ein, sich hierf\u00fcr mit einem Forschungsbeitrag zu bewerben. Die wissenschaftliche Konferenz wird in den R\u00e4umlichkeiten des Collegium Hungaricums in Wien stattfinden. Zudem wird im Anschluss eine gemeinsame Exkursion organisiert werden, zu der alle TeilnehmerInnen eingeladen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sp\u00e4therbst 1918 verlor die \u00d6sterreichisch-Ungarische Monarchie den Ersten Weltkrieg. Damit brach auch die alte Ordnung zusammen. Die allgemeine Unsicherheit sowie die aus dem politischen und sozio\u00f6konomischen Umbruch resultierende Offenheit der geopolitischen Situation \u00fcberschattete die umstrittene Neukartierung der Staatsgrenze zwischen den zwei Hauptverlierern der Habsburgermonarchie, zwischen (Deutsch-)\u00d6sterreich und Ungarn. In der neuen post-imperialen Ordnung wurden (Deutsch-)\u00d6sterreich die mehrheitlich von deutschsprachiger Bev\u00f6lkerung bewohnten Gebiete Westungarns zugesprochen. Der Wechsel des westungarisch-burgenl\u00e4ndischen Gebiets resultierte dabei nicht unbedingt aus einem deklarierten Wunsch der dortigen Bev\u00f6lkerung. \u00d6sterreich verdankte sein kleinstes Bundesland so keineswegs einem \u201eSelbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker\u201d, vielmehr waren daf\u00fcr das geopolitische Ungleichgewicht des Donauraums, das erfolgreiche Engagement und die effiziente Lobby-Arbeit der \u00f6sterreichischen Friedensdelegation in Saint Germain-en-Laye ausschlaggebend. Deutsch\u00f6sterreich und Ungarn gelang es, dem regional-partiellen Grenzstreit internationale Beachtung zu verschaffen. Dieser internationalisierte Grenzziehungsprozess zweier Verliererstaaten widerspiegelte plastisch den zufallsartigen Ad-hoc-Charakter sowie die Komplexit\u00e4t der mitteleurop\u00e4ischen territorialen Neuordnung nach dem Ersten Weltkrieg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Siegerstaaten beabsichtigten eine neue, dauerhafte und gerechte internationale Ordnung zu errichten. Die den Frieden aushandelnden Siegerstaaten entschieden sich w\u00e4hrend der ungarischen R\u00e4terepublik (M\u00e4rz-August 1919) daf\u00fcr, der territorialen Forderung Wiens gegen\u00fcber Budapest stattzugeben. Die Entscheidungstr\u00e4ger der Siegerstaaten gestatten Ungarn, der traditionell herrschenden Macht dieses Grenzgebietes, zu diesem Zeitpunkt keine Meinungs\u00e4u\u00dferung. Diese Grenzverschiebung zu Ungunsten Ungarns fu\u00dfte auf vielseitigen, auch vor Ort erhobenen statistischen Informationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die in den Friedensvertr\u00e4gen von Saint Germain-en Laye (September 1919) und Trianon (Juni 1920) festgelegte neue Staatsgrenze unterlag jedoch aufgrund der regionalen (para-)milit\u00e4rischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse einem weiteren Wandel. Ohne die intensive ungarische paramilit\u00e4rische T\u00e4tigkeit w\u00e4re es im Dezember 1921 zu keinem Plebiszit in Sopron\/\u00d6denburg und in den umliegenden acht D\u00f6rfern gekommen. Au\u00dfer dieser demokratischen Meinungs\u00e4u\u00dferung in Form einer Volksbefragung beteiligte sich die hiesige Bev\u00f6lkerung an der Gestaltung der neuen Staatsgrenze nur begrenzt. Die Grenzbev\u00f6lkerung war sich jedoch der momentanen Schw\u00e4che des Grenzregimes bewusst. Es herrschte reger Schleichhandel und grenz\u00fcberschreitende Mobilit\u00e4t \u00fcber die Grenze hinweg. Bei der endg\u00fcltigen Festlegung des Grenzlaufes durch eine internationale Kommission wurden bis 1922 kleine Grenzmodifizierungen f\u00fcr einige kleine Ortschaften ausgehandelt. Trotz vielseitiger Bem\u00fchungen auf nationaler und internationaler Ebene zur Schaffung einer \u201eeindeutigen (nationalen) Grenze\u201d, blieb das \u00f6sterreichisch-ungarische Grenzgebiet nach wie vor eine sprachlich-konfessionell gemischte Peripherie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die historischen Forschungen zu diesem Raum in der hier betrachteten Zeit fokussierten sich bisher vor allem auf die Ereignisse der klassischen Politik- und Diplomatiegeschichte. Diese Tagung beabsichtigt anl\u00e4sslich des 100-j\u00e4hrigen Bestehens des Burgenlandes, das im Herbst 1921 in die \u00f6sterreichische Verwaltung eingegliedert wurde, weitere Schwerpunkte durch erweiterte Herangehensweisen und Zug\u00e4nge zu setzen und auch neue Forschungsfragen aufzugreifen. Thematisch soll es im Rahmen der hier organisierten Konferenz um eine Diskussion der folgenden vier \u00fcbergeordneten Themenbereiche gehen:<\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4ndische Strukturierung eines sprachlich\/konfessionell vielschichtigen Grenzraums:<br>In diesem ersten Teil der Tagung soll es um Partizipations- und Emanzipationsm\u00f6glichkeiten der Bev\u00f6lkerung (vor und) nach 1918 gehen. Behandelt werden sollen Aspekte des gesellschaftlichen Wandels wie auch das implizite Weiterleben st\u00e4ndischer Strukturen. Wir interessieren uns hier u.a. f\u00fcr soziale Dynamiken, die in Zusammenhang standen mit dem von den Verwaltungen erzwungenem Sprachwandel im politisch-\u00f6ffentlichen Leben, f\u00fcr die im Grenzraum typische Mehrsprachigkeit und multikonfessionale Pr\u00e4gung der regionalen Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirtschaftlicher Zusammenbruch und Neuanf\u00e4nge\/Kontinuit\u00e4ten:<br>Die Ver\u00e4nderungen im Wirtschaftsleben durch den Krieg, die Kriegswirtschaft, den Schwarzhandel\/Schmuggel und die wirtschaftliche Entflechtung der Region sollen einen zweiten Schwerpunkt der Tagung darstellen. Hier interessieren uns insbesondere wirtschaftshistorische Mikrohistorien bzw. Fallbeispiele, die einen Eindruck davon vermitteln k\u00f6nnen, wie sich die Wirtschaftsstrukturen im \u201epost-imperialen Grenzraum\u201c neu zu formieren begannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachkriegsgewalt und politische Mobilisierung<br>Das Kriegsende und die ersten Jahre danach waren entlang der \u00f6sterreichisch-ungarischen Grenze sehr stark gepr\u00e4gt von einem immer wieder Aufflammen von (auch politischer) Gewalt. Heimkehrende Soldaten, unzufriedene Einwohner ebenso wie bald auch politisch organisierte paramilit\u00e4rische Verb\u00e4nde griffen immer wieder zum Mittel der Gewalt, um soziale oder politische Zielsetzungen zu erreichen. Eine Radikalisierung der politischen Sprache im \u00dcbergang zur Massendemokratie war verbunden mit einem Aufkommen von deklariertem Antisemitismus. Das legitimistische Machtzentrum Ungarns formte sich auch in Westungarn und die R\u00fcckkehrversuche des letzten Habsburgerherrschers (1921) pr\u00e4gten den \u00f6sterreichisch-ungarischen Grenzziehungsprozess. Die Mobilisierung und Propaganda f\u00fcr das Plebiszit um Sopron\/\u00d6denburg und die T\u00e4tigkeit der Grenzkommission (1922) vor Ort k\u00f6nnen dabei auch er\u00f6rtert werden. All diese Themen sind bisher nur in Ans\u00e4tzen ohne gegenseitige Wechselwirkungen erforscht worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Implementierung der neuen Ordnungen und ihre Konsequenzen:<br>In einem vierten Schwerpunkt wollen wir uns in der Konferenz mit rechtlichen Konsequenzen der Etablierung einer post-imperialen Ordnung im hier untersuchten Grenzraum befassen. Das betraf Heimatrecht wie Staatsb\u00fcrgerschaft, vollzog sich in Prozessen von Repatriierung, Flucht und (Massen-)Emigration und war auch eng verbunden mit Loyalit\u00e4tskonflikten. Hier soll\/sollte auch der Frage nach der Akzeptanz neuer Identit\u00e4tskonstrukte und -narrative nachgegangen werden, die das Ende der \u201ealten\u201c und die Etablierung der \u201eneuen\u201c politischen und gesellschaftlichen Ordnung begleiteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir laden hiermit herzlich ein, Vorschl\u00e4ge f\u00fcr geplante Beitr\u00e4ge bis zum 15. November 2020 per E-Mail mit dem Betreff \u201eCfP: Der Weg zu einer post-imperialen Ordnung\u201c an Frau Nicola Lignitz unter LignitzN@geschichte.hu-berlin.de einzureichen. Mit R\u00fcckmeldungen zur Annahme des Beitrags ist mit Ende Januar 2021 zu rechnen. Die Konferenzsprachen werden Deutsch und Englisch sein. Die Abstracts f\u00fcr geplante Beitr\u00e4ge sollten maximal 300 W\u00f6rter lang sein und bereits eine Zuordnung zu einem der oben beschriebenen Themenbereiche\/Panels aufweisen. Ebenso bitten wir um einen kurzen CV. Wir freuen uns auch \u00fcber Bewerbungen von NachwuchswissenschaftlerInnen\/ DoktorandInnen. Eine Publikation der Konferenzbeitr\u00e4ge ist geplant.<br>Unterkunft und Versorgung w\u00e4hrend der Konferenz wird von der Konferenzorganisation getragen. Wir sind bem\u00fcht, auch die Reisekosten f\u00fcr alle TeilnehmerInnen zu finanzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ort: Wien (und Exkursion)<\/p>\n\n\n\n<p>Veranstaltungsort: Collegium Hungaricum, Wien<\/p>\n\n\n\n<p>Veranstalter: Hannes Grandits, Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin, Institut f\u00fcr Geschichtswissenschaften, Lehrstuhl f\u00fcr S\u00fcdosteurop\u00e4ische Geschichte; Ibolya Murber, ELTE SEK Budapest\/Szombathely, Lehrstuhl f\u00fcr Geschichte; Katharina Tyran, Universit\u00e4t Wien, Institut f\u00fcr Slawistik<\/p>\n\n\n\n<p>Datum: 22.09.2021 &#8211; 24.09.2021<\/p>\n\n\n\n<p>Bewerbungsschluss: 15.11.2020<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontakt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hannes Grandits<br>Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin, Institut f\u00fcr Geschichtswissenschaften, Lehrstuhl f\u00fcr S\u00fcdosteurop\u00e4ische Geschichte<br>grandith@hu-berlin.de<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.hsozkult.de\/event\/id\/termine-43065\">https:\/\/www.hsozkult.de\/event\/id\/termine-43065<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":21674,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[3,9],"tags":[],"class_list":["post-21673","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-novosti","category-skupovi"],"acf":{"facebook_opis":""},"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/historiografija.hr\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/hungaricum.png?fit=365%2C138&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21673","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21673"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21673\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21675,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21673\/revisions\/21675"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/21674"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/historiografija.hr\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}